Schulungsumsetzung

Qualitätskriterien der Schulungsumsetzung

Autoren: Ströbl, V., Küffner, R., Müller, J., Reusch, A., Vogel, H. & Faller, H.

Patientenschulungen werden in der Versorgung chronisch Kranker häufig eingesetzt und stellen einen bedeutenden Therapiebaustein in der medizinischen Rehabilitation dar. Mit der zunehmenden Verbreitung von Patientenschulungen rückt in den letzten Jahren verstärkt auch die Qualität von Schulungen in den Blickpunkt. Dieser kommt eine besondere Bedeutung zu, da nur mit einer hochwertigen Schulung bei den Patienten nachhaltige positive Effekte zu erwarten sind. Dabei ist sowohl die Qualität des Schulungskonzepts als auch die Qualität der Schulungsumsetzung bedeutsam.

Das Zentrum Patientenschulung hat im Jahr 2008 über einen Konsensusprozess Qualitätskriterien der Schulungsumsetzung verabschiedet. Die Ergebnisse des Prozesses sind in der Zeitschrift „Die Rehabilitation“ (Ströbl, 2009) veröffentlicht. Auf dieser Seite finden Sie eine kurze Zusammenfassung sowei eine Liste der Qualitätskriterien.

Es wurde ein zweistufiges Delphi-Verfahren mit anschließender Konsenskonferenz unter Beteiligung von Experten durchgeführt. In diesem konnte eine Einigung auf elf Dimensionen mit 59 Kriterien erzielt werden, die die Bereiche Rahmenbedingungen, Schulungsteam, Schulungseinbindung und Qualitätsmanagement betreffen. Die Kriterien sollen für Qualitätsaspekte in der Schulungsdurchführung sensibilisieren und können klinikintern zur Optimierung der Schulungsqualitätgenutzt werden.

Präambel: Voraussetzung, um die Qualität der Umsetzung einer Patientenschulung beurteilen zu können, ist, dass ein qualitativ hochwertiges Schulungskonzept vorliegt. Zur Beurteilung der Qualität des Schulungskonzepts können die vier Dimensionen Bestimmungsstücke, zusätzliche Qualitätsmerkmale, Grad der Evidenz sowie inhaltliche Anforderungen herangezogen werden (vergl. Abschnitt Schulungskonzept).

Die Qualität der Schulungsdurchführung kann anhand der im Folgenden dargestellten Kriterien (I.1.1 bis IV.2.4) beurteilt werden. Die Qualitätskriterien beziehen sich auf die vier Bereiche Rahmenbedingungen, Schulungsteam, Einbindung der Schulung in das Klinikgesamtkonzept und Maßnahmen des Qualitätsmanagements und lassen sich 11 Dimensionen (I.1 bis IV.2) zuordnen. Als Schulungsleiter werden im Folgenden alle Personen bezeichnet, die eine Patientenschulung oder einzelne Schulungseinheiten durchführen (Synonyme „Dozent“, „Trainer“). Eine Unterscheidung zwischen Mitarbeitern, die verantwortlich für die Organisation einer Schulung sind, und solchen, die einzelne Schulungseinheiten durchführen, wird hier nicht getroffen.

Qualitätskriterien des Schulungskonzepts
Teil I: Rahmenbedingungen
I.1Adäquater Schulungsraum
I.1.1Der Schulungsraum besitzt eine ausreichende Größe.
I.1.2Die Möblierung des Schulungsraums entspricht den Anforderungen der Schulung (z. B. dialogorientierte Bestuhlung, Tische, rückengerechte Bestuhlung).
I.1.3Der Schulungsraum verfügt über eine gute, regulierbare Beleuchtung.
I.1.4Der Schulungsraum verfügt über ein angenehmes Raumklima (z. B. Belüftungsmöglichkeiten, Wärmeregulierung).
I.1.5Die Schulungsdurchführung wird nicht durch Geruch, Lärm oder schlechte Raumakustik beeinträchtigt.
I.1.6Der Schulungsraum ist barrierefrei zugänglich.
I.1.7Für die Schulung stehen ggf. weitere Räume entsprechend den Anforderungen der Schulung zur Verfügung (z. B. Lehrküche, Gymnastikhalle).
I.2Verfügbarkeit von Medien und Materialien
I.2.1Entsprechend den Erfordernissen der Schulung sind verschiedene Medien verfügbar, um multimedial arbeiten zu können (z. B. Beamer/Overhead, Pinnwand, Flipchart/Tafel, ggf. Fernseher/Video).
I.2.2Der Standort sämtlicher für die Schulung benötigter Medien und Materialien sowie des Schulungsmanuals ist allen Schulungsleitern und deren Vertretung bekannt und zugänglich.
I.2.3Die Verantwortlichkeit für die Funktionsfähigkeit technischer Medien ist geregelt (z. B. Overhead, Beamer).
I.2.4Die Verantwortlichkeit für die Verfügbarkeit von Materialien ist geregelt (z. B. Arbeitsblätter, Flipchart-Blöcke).
I.3Geeignete Schulungszeit
I.3.1Die Schulung wird zu einer geeigneten Tageszeit durchgeführt (z. B. nicht direkt nach dem Mittagessen).
I.3.2Es bestehen keine zeitlichen Überschneidungen zwischen Schulungsstunden und anderen Therapien.
I.3.3Es gibt ausreichende Übergangszeiten zwischen Schulungsstunden und anderen Therapien, sodass die Patienten in Ruhe die jeweilige Veranstaltung erreichen können.
I.3.4Die Schulungseinheiten beginnen und enden pünktlich.
I.4Zugang zur Schulung
I.4.1Die Indikationsstellung für die Schulung findet gemeinsam mit dem Patienten statt (partizipative Entscheidung).
I.4.2Regelungen des Zugangs zur Schulung sind definiert und allen Klinikmitarbeitern bekannt (z. B. Verantwortung für Zuweisung, Freiwilligkeit der Teilnahme, ...).
I.4.3Indikationen und Kontraindikationen werden bei der Zuweisung zur Schulung berücksichtigt.
I.4.4Die Schulung findet nach Möglichkeit im festen Turnus statt.
I.4.5Es ist gewährleistet, dass alle Patienten mit Schulungsbedarf an der Schulung teilnehmen können.
I.4.6Es ist gewährleistet, dass Schulungsteilnehmer mit unterschiedlichen Anreiseterminen an allen Einheiten der Schulung teilnehmen können.
I.4.7Kommt eine indizierte Schulung aufgrund zu geringer Teilnehmerzahlen nicht zustande, stehen individuelle Alternativen zur Verfügung (z. B. Einzelgespräch).
I.4.8Um ausreichende Teilnehmerzahlen für die Schulung zu gewährleisten, werden ggf. geeignete Maßnahmenergriffen (z. B. gebündelte Einbestellung).
Teil II: Schulungsteam
II.1Organisation des Schulungsteams
II.1.1Das Schulungsteam setzt sich aus den im Manual vorgesehenen Berufsgruppen zusammen.
II.1.2Für jeden Schulungsleiter, der an der Schulung beteiligt ist, ist ein Vertreter benannt, um Schulungsausfall bei Krankheit, Urlaub oder Personalfluktuation vorzubeugen.
II.1.3Es ist ein verantwortlicher Mitarbeiter für die Schulung benannt, der für die Sicherstellung der organisatorischen und inhaltlichen Schulungsstruktur verantwortlich ist.
II.1.4Verantwortungen und Zuständigkeiten im Team sind definiert.
II.1.5Mitarbeiter, die organisatorische oder inhaltliche Verantwortung für die Schulung übernehmen, sind mit ausreichenden zeitlichen Ressourcen ausgestattet.
II.2Voraussetzungen der Schulungsleiter / Einarbeitung
II.2.1Alle Schulungsleiter erfüllen die im Manual definierte berufliche Grundqualifikation.
II.2.2Alle Schulungsleiter sind in Gesprächsführung, Moderation und Gruppenarbeit fortgebildet.
II.2.3Alle Schulungsleiter haben am schulungsspezifischen Train-the-Trainer-Seminar teilgenommen, wenn ein solches existiert.
II.2.4Alle Schulungsleiter werden in geeigneter Weise eingearbeitet und supervidiert.
II.2.5Schriftliche Hinweise für neue Schulungsleiter und -vertretung liegen vor.
II.2.6Bei interdisziplinärer Schulungsdurchführung haben alle Schulungsleiter Kenntnisse zu den Inhalten des gesamten Schulungsprogramms.
II.2.7Alle Schulungsleiter haben eine komplette Schulung visitiert.
II.3Kontinuierliche Fortbildung der Schulungsleiter
II.3.1Bei interdisziplinärer Schulungsdurchführung finden regelmäßig (mindestens 1x/Jahr) gegenseitige Visitationen der Schulungsleiter statt.
II.3.2Es werden regelmäßig (mindestens 1x/Jahr) interne Teamfortbildungen zu Methoden und Inhalten der Schulung durchgeführt.
II.3.3Es finden Aktualisierungen des Wissens zu den Inhalten der Schulung statt, z. B. in Form des Besuchs von Fachtagungen und Seminaren.
Teil III: Einbindung der Schulung in das Klinikgesamtkonzept
III.1Schulungseinbindung
III.1.1Die Schulung ist angemessen in das Klinikgesamtkonzept eingebettet.
III.1.2Die Inhalte der Schulung sind mit anderen therapeutischen Maßnahmen abgestimmt.
III.1.3Alle Mitarbeiter aus dem ärztlichen, therapeutischen und pflegerischen Bereich sind über Ziele und Inhalte der Schulung informiert.
III.1.4Es finden regelmäßig Fortbildungen aller Mitarbeiter zu den Inhalten der Schulungen statt.
III.1.5Es ist gewährleistet, dass alle Mitarbeiter einheitliche Botschaften an die Patienten bezüglich der Schulungsinhalte vermitteln.
III.1.6Das gesamte Klinikumfeld ist widerspruchsfrei zu den Schulungszielen (Verhältnisprävention, z. B. rauchfreie Klinik).
III.1.7Arbeitsblätter der Patienten (z. B. Protokolle, Selbstbeobachtungsbogen, ...) werden in der Behandlung berücksichtigt (z. B. in der Visite).
III.1.8Patientenbezogene Informationen aus den Schulungen werden regelmäßig in die Teambesprechungen einbezogen.
III.2Engagement der Klinikleitung
III.2.1Die Klinikleitung engagiert sich für die Qualität des Schulungskonzepts und die Durchführung der Schulung (z. B. durch regelmäßige Besprechungen mit den Schulungsleitern).
III.2.2Die Kosten, die im Zusammenhang mit der Patientenschulung entstehen, werden von der Klinik übernommen (z. B. für Fortbildungen, Hospitationen, Medien, Qualitätsmanagement, ...).
III.2.3Zeitliche Ressourcen zur Organisation der Schulung und des Qualitätsmanagements sowie für Teamgespräche werden zur Verfügung gestellt.
III.2.4Gegenüber den Patienten wird die Bedeutung der Schulung im Gesamtbehandlungskonzept betont (z. B.durch Nachfragen zur Schulung von ärztlicher Leitung in den Visiten oder die aktive Mitwirkung des leitenden Arztes/Oberarztes an der Schulung).
Teil IV: Maßnahmen des Qualitätsmanagements
IV.1Schulungsspezifisches Qualitätsmanagement
IV.1.1Das Schulungskonzept wird regelmäßig (mindestens 1x/Jahr) überarbeitet und aktualisiert.
IV.1.2Es finden regelmäßige Besprechungen des Schulungsteams zum Erfahrungsaustausch und zur Abstimmung statt (mindestens alle 6 Monate).
IV.1.3Es werden regelmäßig (mindestens alle 3 Monate) interne Teilnehmerbefragungen zur Zufriedenheit und zum subjektiv eingeschätzten Nutzen durchgeführt.
IV.1.4Die Ergebnisqualität der Schulung wird in geeigneten Abständen intern erfasst anhand der Materialien zur Lernerfolgskontrolle der Schulung oder über definierte Lernziele.
IV.1.5Die Schulungsdurchführung wird an den Bedürfnissen der Patienten ausgerichtet und ggf. angepasst (z. B. Alter, Geschlecht, Migrationshintergrund).
IV.2Allgemeines Qualitätsmanagement (schulungsübergreifend)
IV.2.1Im Rahmen des internen Qualitätsmanagements nimmt die Patientenschulung eine eigenständige Rolle ein.
IV.2.2Es findet regelmäßig (mindestens alle 6 Monate) eininhaltlicher Austausch zwischen Schulungsleitern verschiedener Schulungen statt (z. B. Qualitätszirkel, Arbeitskreis Patientenschulung).
IV.2.3Es erfolgt eine regelmäßige externe oder interne Supervision der Schulungsleiter (mindestens alle 9 Monate).
IV.2.4Die Ergebnisse der externen Qualitätssicherung, soweit sie die Patientenschulung betreffen, werden in den Prozessablauf rückgekoppelt und zur Optimierung der Schulung genutzt.

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Checkliste mit den Qualitätskriterien als PDF-Download

Dokument: Checkliste Qualitätskriterien

Stand: 21. August 2012

Urheber (Autor): Zentrum Patientenschulung

Dieses Dokument enthält nur die Kriterien in Form einer Checkliste (PDF, 0,1 MB)

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